Schlaganfall & Hirnschädigung
wenn vorhandene Funktion in Selbstversorgung und Alltag noch nicht eingesetzt wird
Fachinformation für Verordnende
Ergotherapie ist angezeigt, wenn motorische, sensorische oder kognitive Defizite konkrete Aktivitäten verhindern – auch dann, wenn Kraft und Mobilität bereits Fortschritte zeigen.
Rolle der Ergotherapie
wenn vorhandene Funktion in Selbstversorgung und Alltag noch nicht eingesetzt wird
wenn Bewegungsplanung, Feinmotorik oder Tagesabläufe unsicher werden
wenn Fatigue, Kognition oder Handfunktion die Teilhabe begrenzen
wenn Sensibilität und sicherer Gegenstandsgebrauch beeinträchtigt sind
Wann sollte verordnet werden?
Eine Verordnung wird besonders relevant, wenn mindestens eine dieser Situationen konkrete Selbstständigkeit oder Teilhabe begrenzt.
Vorhandene Funktion wird spontan kaum in Handlungen eingesetzt – etwa beim Essen, Ankleiden oder Tragen.
Besteck, Knöpfe, Stift, Schlüssel oder Smartphone lassen sich nicht ausreichend sicher bedienen.
Planung, Aufmerksamkeit oder Gedächtnis verhindern Medikamentenmanagement, Einkaufen oder selbstständige Tagesabläufe.
Waschen, Duschen, Anziehen oder Mahlzeiten gelingen nur mit wachsender Hilfe durch Angehörige.
Aktivitäten brechen früh ab; Energie reicht nicht verlässlich für Haushalt, Familie oder Beruf.
Kraft oder Beweglichkeit sind messbar vorhanden, werden im Alltag aber nicht funktionell genutzt.
Konkreter Patientennutzen
Behandlungspfad
Der Therapieverlauf wird an der Ausführung relevanter Aktivitäten beurteilt.
Funktion, Aktivitätsdurchführung, Kontext und bisherige Kompensation werden erfasst.
Wenige relevante Tätigkeiten werden beobachtbar und überprüfbar formuliert.
Verfahren, Schwierigkeit, Wiederholung und Hilfestellung folgen dem klinischen Problem.
Strategien, Hilfsmittel und Übung werden in das tatsächliche Umfeld übertragen.
Fortschritt, Restgrenzen und nächste Schritte werden geprüft und zurückgemeldet.
Verfahren mit klarem Zweck
Auswahl und Dosierung berücksichtigen Befund, Belastbarkeit, Risiken und das vereinbarte Aktivitätsziel.
Wenn eine konkrete Handlung nicht gelingt.
Wozu?Relevante Tätigkeiten werden wiederholt und angemessen abgestuft ausgeführt.
Bei geeigneter Restfunktion und ausgeprägtem Nichtgebrauch.
Wozu?Der Einsatz des betroffenen Arms wird intensiv in funktionellen Aufgaben angebahnt.
Als mögliche Ergänzung bei ausgewählten motorischen Beeinträchtigungen oder Schmerzphänomenen.
Wozu?Visuelles Feedback kann Bewegungsanbahnung ergänzen; der Transfer in aktive Handlungen bleibt entscheidend.
Wenn Gedächtnis, Aufmerksamkeit oder Exekutivfunktionen die Selbstständigkeit begrenzen.
Wozu?Externe Hilfen und feste Abläufe werden in der tatsächlichen Alltagssituation erprobt.
Wenn Fähigkeiten allein nicht für Sicherheit oder Selbstständigkeit ausreichen.
Wozu?Gegenstände, Abläufe und Umgebung werden passend verändert.
Illustrativer Verlauf
Fiktives Beispiel zur Darstellung des Vorgehens; kein Erfolgsversprechen.
Nach Schlaganfall ist selektives Greifen möglich. Beim Frühstück bleibt die betroffene Hand dennoch im Schoß.
Analyse der Frühstückssituation, repetitives Greifen, beidhändige Handlungen und abgestufte Hinweise.
Möglicher Verlauf: Die betroffene Hand wird bei ausgewählten Teilschritten verlässlich eingesetzt und es wird weniger Hilfe benötigt.
Zusammenarbeit
Evidenzorientierung
Wir berücksichtigen aktuelle fachliche Leitlinien und verbinden sie mit Befund, Kontext und dem priorisierten Aktivitätsziel. Wir formulieren keine Heil- oder Erfolgsgarantien.