Depressive Erkrankung
wenn Aktivitätsverlust, Rückzug und fehlende Tagesstruktur die Genesung erschweren
Fachinformation für Verordnende
Ergotherapie wird relevant, wenn Antrieb, Affektregulation, Kognition oder soziale Belastbarkeit die Ausführung alltäglicher Rollen verhindern. Behandelt wird nicht abstrakte Beschäftigung, sondern die konkrete Wiederaufnahme von Selbstversorgung, Tagesstruktur und Teilhabe.
Rolle der Ergotherapie
wenn Aktivitätsverlust, Rückzug und fehlende Tagesstruktur die Genesung erschweren
wenn Planung, Selbstversorgung und soziale Rollen im Alltag instabil sind
wenn Vermeidung und ritualisierte Abläufe Teilhabe begrenzen
wenn Belastungsregulation und verlässliche Rollenführung nicht gelingen
Wann sollte verordnet werden?
Eine Verordnung wird besonders relevant, wenn mindestens eine dieser Situationen konkrete Selbstständigkeit oder Teilhabe begrenzt.
Aufstehen, Mahlzeiten, Termine und Schlafrhythmus sind nicht mehr verlässlich organisiert.
Körperpflege, Einkauf, Ernährung oder Wohnungsführung werden vernachlässigt.
Besprochene Strategien können in konkreten Belastungssituationen nicht umgesetzt werden.
Arbeit, Ausbildung oder soziale Kontakte werden zu früh überfordert oder vollständig vermieden.
Konkreter Patientennutzen
Behandlungspfad
Der Therapieverlauf wird an der Ausführung relevanter Aktivitäten beurteilt.
Funktion, Aktivitätsdurchführung, Kontext und bisherige Kompensation werden erfasst.
Wenige relevante Tätigkeiten werden beobachtbar und überprüfbar formuliert.
Verfahren, Schwierigkeit, Wiederholung und Hilfestellung folgen dem klinischen Problem.
Strategien, Hilfsmittel und Übung werden in das tatsächliche Umfeld übertragen.
Fortschritt, Restgrenzen und nächste Schritte werden geprüft und zurückgemeldet.
Verfahren mit klarem Zweck
Auswahl und Dosierung berücksichtigen Befund, Belastbarkeit, Risiken und das vereinbarte Aktivitätsziel.
Bei Antriebsminderung und ausgeprägtem Rückzug.
Wozu?Bedeutsame Tätigkeiten werden klein, konkret und überprüfbar geplant statt allgemein empfohlen.
Bei instabilen Routinen.
Wozu?Selbstversorgung, Pflichten, Erholung und soziale Aktivität werden realistisch verteilt und praktisch erprobt.
Bei Unsicherheit über Leistungsgrenzen.
Wozu?Aufgaben werden dosiert durchgeführt; Warnsignale, Pausen und Erholung werden anschließend ausgewertet.
Bei exekutiven oder umsetzungsbezogenen Problemen.
Wozu?Beginn, Reihenfolge, Abschluss und Kontrolle einer realen Tätigkeit werden systematisch bearbeitet.
Illustrativer Verlauf
Fiktives Beispiel zur Darstellung des Vorgehens; kein Erfolgsversprechen.
Bei depressiver Erkrankung bestehen Einsicht und Behandlungsbereitschaft, aber der Patient bleibt bis mittags im Bett und sagt Termine kurzfristig ab.
Konkrete Morgenroutine, abgestufter Aktivitätsplan, Vorbereitung von Hindernissen und wöchentliche Auswertung der Durchführung.
Möglicher Verlauf: vereinbarte Grundaktivitäten und einzelne Termine werden regelmäßiger und mit weniger äußerer Steuerung umgesetzt.
Zusammenarbeit
Evidenzorientierung
Wir berücksichtigen aktuelle fachliche Leitlinien und verbinden sie mit Befund, Kontext und dem priorisierten Aktivitätsziel. Wir formulieren keine Heil- oder Erfolgsgarantien.