ADS, ADHS oder Konzentrationsschwierigkeit
wenn Aufmerksamkeit, Impulssteuerung oder Handlungsorganisation die Teilnahme zu Hause, in Kita oder Schule begrenzen
Fachinformation für Verordnende
Ergotherapie ist relevant, wenn motorische, sensorische, kognitive oder regulatorische Schwierigkeiten Selbstständigkeit, Spiel und schulische Teilhabe konkret begrenzen. Dazu gehören auch alltagsrelevante Folgen von ADS/ADHS, Konzentrationsschwierigkeiten und Problemen der Emotionsregulation. Entscheidend sind beobachtbare Aktivitäten - nicht eine isolierte Abweichung vom Altersdurchschnitt.
Rolle der Ergotherapie
wenn Aufmerksamkeit, Impulssteuerung oder Handlungsorganisation die Teilnahme zu Hause, in Kita oder Schule begrenzen
wenn Frustration, Übergänge oder Reizbelastung wiederholt zum Abbruch alltäglicher Situationen führen
wenn Koordination, Feinmotorik oder Wahrnehmungsverarbeitung Alltags- und Schulhandlungen behindern
wenn Selbstversorgung und Teilhabe angepasste Strategien benötigen
Wann sollte verordnet werden?
Eine Verordnung wird besonders relevant, wenn mindestens eine dieser Situationen konkrete Selbstständigkeit oder Teilhabe begrenzt.
Das Kind versteht die Aufgabe, verliert aber wiederholt den Faden, beginnt nicht oder beendet sie nur mit enger Begleitung.
Kleine Misserfolge, Wartezeiten oder Übergänge führen regelmäßig zu starker Überforderung, Rückzug oder impulsivem Verhalten.
Anziehen, Essen, Schreiben, Materialorganisation oder der Wechsel zwischen Aufgaben benötigen unverhältnismäßig viel Hilfe.
Spiel, Gruppenaktivitäten, Kita- oder Unterrichtssituationen werden vermieden oder wiederholt abgebrochen.
Konkreter Patientennutzen
Behandlungspfad
Der Therapieverlauf wird an der Ausführung relevanter Aktivitäten beurteilt.
Funktion, Aktivitätsdurchführung, Kontext und bisherige Kompensation werden erfasst.
Wenige relevante Tätigkeiten werden beobachtbar und überprüfbar formuliert.
Verfahren, Schwierigkeit, Wiederholung und Hilfestellung folgen dem klinischen Problem.
Strategien, Hilfsmittel und Übung werden in das tatsächliche Umfeld übertragen.
Fortschritt, Restgrenzen und nächste Schritte werden geprüft und zurückgemeldet.
Verfahren mit klarem Zweck
Auswahl und Dosierung berücksichtigen Befund, Belastbarkeit, Risiken und das vereinbarte Aktivitätsziel.
Wenn Konzentration vor allem bei konkreten Aufgaben abbricht.
Wozu?Aufgabenbeginn, Arbeitsabschnitte, Ablenkungsreduktion, Pausen und Abschluss werden an einer bedeutsamen Tätigkeit erprobt.
Wenn Frustration, Impulsivität oder Reizüberlastung Teilhabe begrenzen.
Wozu?Auslöser und Warnsignale werden erkannt und mit konkreten Strategien für Übergänge, Pausen und Wiederaufnahme verbunden.
Bei ADS/ADHS, Organisations- und Übergangsproblemen.
Wozu?Schritte und Erwartungen werden sichtbar gemacht; äußere Hilfen werden passend zur Entwicklung schrittweise angepasst.
Wenn Anforderungen und Unterstützung in verschiedenen Umgebungen nicht zusammenpassen.
Wozu?Wenige umsetzbare Veränderungen werden gemeinsam festgelegt und anhand beobachtbarer Alltagssituationen überprüft.
Illustrativer Verlauf
Fiktives Beispiel zur Darstellung des Vorgehens; kein Erfolgsversprechen.
Ein Grundschulkind mit ADHS kennt die Arbeitsaufträge, beginnt jedoch selten selbstständig, reagiert auf Fehler mit starkem Frust und beendet schriftliche Aufgaben kaum.
Analyse einer typischen Arbeitsphase, visuelle Startfolge, kurze planbare Abschnitte, vereinbartes Pausensignal und eingeübte Strategie zur Rückkehr nach Frustration.
Möglicher Verlauf: ausgewählte Aufgaben werden mit weniger Aufforderungen begonnen, nach Unterbrechungen wieder aufgenommen und häufiger beendet.
Zusammenarbeit
Evidenzorientierung
Wir berücksichtigen aktuelle fachliche Leitlinien und verbinden sie mit Befund, Kontext und dem priorisierten Aktivitätsziel. Wir formulieren keine Heil- oder Erfolgsgarantien.