Multimorbidität
wenn mehrere moderate Einschränkungen zusammen den Alltag nicht mehr tragfähig machen
Fachinformation für Verordnende
In der hausärztlichen Versorgung wird Ergotherapie relevant, wenn chronische, neurologische, orthopädische oder psychische Belastungen konkrete Alltagsroutinen gefährden. Der Fokus liegt auf funktionaler Einordnung, umsetzbaren Zielen und dem Erhalt häuslicher Selbstständigkeit.
Rolle der Ergotherapie
wenn mehrere moderate Einschränkungen zusammen den Alltag nicht mehr tragfähig machen
wenn Mobilität zurückkehrt, Selbstversorgung und Haushaltsführung aber nicht
wenn Medikamente, Termine, Finanzen oder Tagesabläufe fehleranfällig werden
wenn Antrieb, Belastbarkeit oder Schmerz zu deutlichem Aktivitätsverlust führen
Wann sollte verordnet werden?
Eine Verordnung wird besonders relevant, wenn mindestens eine dieser Situationen konkrete Selbstständigkeit oder Teilhabe begrenzt.
Aufgaben werden schrittweise ersetzt, obwohl Teilfähigkeiten noch vorhanden sind.
Einnahme, Nachbestellung oder Arzttermine gelingen nicht mehr verlässlich.
Mahlzeiten, Haushalt, soziale Kontakte oder außerhäusliche Wege fallen zunehmend weg.
Einzelne Tests wirken unauffällig, zu Hause scheitern jedoch komplexe Abläufe.
Konkreter Patientennutzen
Behandlungspfad
Der Therapieverlauf wird an der Ausführung relevanter Aktivitäten beurteilt.
Funktion, Aktivitätsdurchführung, Kontext und bisherige Kompensation werden erfasst.
Wenige relevante Tätigkeiten werden beobachtbar und überprüfbar formuliert.
Verfahren, Schwierigkeit, Wiederholung und Hilfestellung folgen dem klinischen Problem.
Strategien, Hilfsmittel und Übung werden in das tatsächliche Umfeld übertragen.
Fortschritt, Restgrenzen und nächste Schritte werden geprüft und zurückgemeldet.
Verfahren mit klarem Zweck
Auswahl und Dosierung berücksichtigen Befund, Belastbarkeit, Risiken und das vereinbarte Aktivitätsziel.
Wenn die Ursache des Selbstständigkeitsverlusts im Sprechzimmer schwer greifbar bleibt.
Wozu?Eine relevante Routine wird in ihren motorischen, kognitiven und umgebungsbezogenen Anforderungen analysiert.
Bei bleibenden kognitiven oder körperlichen Einschränkungen.
Wozu?Checklisten, feste Ablagen, vereinfachte Abläufe und Hilfsmittel werden praktisch etabliert.
Bei Inaktivität, reduzierter Belastbarkeit oder langem Krankheitsverlauf.
Wozu?Wichtige Tätigkeiten werden dosiert wiederaufgenommen und anhand ihrer Durchführbarkeit überprüft.
Wenn gut gemeinte Hilfe Selbstständigkeit unbeabsichtigt ersetzt.
Wozu?Unterstützung wird so abgestimmt, dass Sicherheit entsteht und vorhandene Fähigkeiten genutzt werden.
Illustrativer Verlauf
Fiktives Beispiel zur Darstellung des Vorgehens; kein Erfolgsversprechen.
Nach mehreren Krankenhausaufenthalten kann eine ältere Patientin gehen, bereitet aber keine Mahlzeiten mehr zu und verwechselt Medikamente.
Analyse von Küchen- und Medikamentenroutine, vereinfachte Ablage, visuelle Schrittfolge und Angehörigenabstimmung.
Möglicher Verlauf: vorbereitete Mahlzeiten und Medikamenteneinnahme gelingen mit klar definierter, geringerer Hilfe.
Zusammenarbeit
Evidenzorientierung
Wir berücksichtigen aktuelle fachliche Leitlinien und verbinden sie mit Befund, Kontext und dem priorisierten Aktivitätsziel. Wir formulieren keine Heil- oder Erfolgsgarantien.